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Infos zum Spektrum der ADHS

Der Bedarf an umfassenden und sachgerechten Informationen zum Thema ADHS ist groß.

Die nachfolgenden Fragen und Antworten sind der Patientenleitlinie entnommen, die weitere und sehr ausführliche Informationen bietet.

Häufige Fragen

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine in der Kindheit beginnende Entwicklungsstörung mit den Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und/oder motorische Unruhe. Diese Symptome (Krankheitszeichen) müssen mindestens 6 Monate anhalten, in verschiedenen Lebensbereichen auftreten und mit einer zumindest mäßigen Beeinträchtigung im sozialen- und Leistungsbereich einhergehen.
Die Symptome und die mit ihr verbundenen Funktionseinschränkungen bleiben in vielen Fällen bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Die Kernsymptome der ADHS sind in den verschiedenen Altersstufen unterschiedlich ausgeprägt.
Im Vorschulalter steht meist die starke Bewegungsunruhe und Hyperaktivität im Vordergrund. Auch im Schulalter wird ein Kind mit ADHS zu einem großen Teil in Situationen auffallen, in welchen von ihm erwartet wird, ruhig sitzen zu bleiben. Ab dem Jugendalter zeigt sich die Hyperaktivität oftmals nicht mehr in gesteigerter körperlicher Aktivität, sondern vielmehr in Form von innerer Unruhe oder Fahrigkeit. Diese innere Form der Unruhe bleibt auch im Erwachsenenalter noch bestehen.
Auch das Symptom der Unaufmerksamkeit verändert sich im Lauf der Entwicklung. Die Störung der Aufmerksamkeit ist besonders im Schulalter offensichtlich, zumal die kontinuierliche konzentrierte Mitarbeit eine wesentliche Anforderung an Schulkinder darstellt und eine Störung der Konzentration im Unterricht direkt beobachtbar und feststellbar ist. Mit zunehmendem Alter erhöht sich entwicklungsbedingt die Aufmerksamkeitsspanne, doch bleibt sie im Vergleich mit Gleichaltrigen ohne ADHS häufig reduziert, was auch im Erwachsenenalter den Alltag Betroffener noch erheblich einschränken kann.
Auch die Impulsivität geht üblicherweise mit zunehmendem Alter zurück, bringt aber auch längerfristig erhebliche Funktionseinschränkungen im Alltag mit sich.
Angesichts der entwicklungsabhängigen Abnahme ADHS-typischer Symptome nimmt die Häufigkeit von ADHS vom Kindes- und Jugendalter bis ins Erwachsenenalter hin ab. Etwa 50 bis 80% der im Kindesalter Betroffenen weisen auch als Erwachsene noch ADHS-Symptome auf. Ein Drittel zeigt sogar noch das Vollbild der Störung.

Bei Kindern und Jugendlichen wurde ADHS in 5,3% bei Untersuchungen an größeren Bevölkerungsgruppen gefunden, wobei international keine wesentlichen Unterschiede bestehen. In Deutschland ist nach Elternberichten eine Diagnosehäufigkeit von etwa 5% anzunehmen. Im Erwachsenenalter wurde eine Häufigkeit von 2,5% festgestellt.

ADHS ist mit funktionellen Beeinträchtigungen verbunden, die häufig zu Problemen im Bereich von Schule, Ausbildung und Beruf und zu sozialen Schwierigkeiten in der Familie, im Kontakt mit Gleichaltrigen und Beziehungspartnern führen.
Längsschnittstudien haben gezeigt, dass von ADHS betroffene Erwachsene einen niedrigeren Ausbildungsstand erreichen, ein geringeres Einkommen und eine geringere berufliche Stellung haben, ein erhöhtes Risikoverhalten zeigen, häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind und häufiger Gesetzesübertretungen begehen.

Die Ursachen von ADHS sind verschiedenartig und bisher noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass dabei viele sich gegenseitig beeinflussende Faktoren beteiligt sind. Eine entscheidende Rolle spielen dabei erbliche Veranlagungen und Umwelteinflüsse in der Zeit vor, während und kurz nach der Geburt, die die Entwicklung von Aufbau und Funktion des Gehirns beeinflussen.

ADHS tritt in Familien gehäuft auf. Bei Geschwistern oder Eltern erkrankter Kinder liegt die Wahrscheinlichkeit zwischen 10 und 35%, ebenfalls an ADHS erkrankt zu sein. 
Bei Personen, die von ADHS betroffen sind, kommen bestimmte Erbanlagen häufiger vor als in der sonstigen Bevölkerung. Jede einzelne dieser Erbanlagen erhöht das Krankheitsrisiko für ADHS allerdings nur in geringem Maß. Erst in ihrer Kombination und in Wechselwirkung mit Umweltfaktoren tragen sie zur Entstehung einer ADHS bei.

Kinder von Raucherinnen haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, eine ADHS zu entwickeln. Unklar ist allerdings, ob dabei das Nikotin in der Schwangerschaft oder andere mit dem Rauchen verbundene Risikofaktoren wie etwa eine ADHS bei der Mutter eine ursächliche Rolle gespielt hat. Bei weiteren Umweltgiften besteht der Verdacht, an der Entstehung von ADHS beteiligt zu sein, so zum Beispiel für PCB (polychloriertes Biphenylen), wenn Mütter in der Schwangerschaft einer erhöhten Belastung mit PCB ausgesetzt waren, oder für Blei, für das erhöhte Werte im Blut von Kindern mit ADHS gefunden wurden. Die ursächliche Bedeutung dieser Umweltgifte ist aber noch ungeklärt. Auch Frühgeburtlichkeit wird als Risikofaktor diskutiert, da ADHS bei Frühgeborenen häufiger ist als bei Reifgeborenen.
Ungünstige psychosoziale Bedingungen wie Armut, Vernachlässigung, psychische Erkrankungen der Eltern sind bei Kindern mit ADHS häufiger.

Ob und wie sich bestimmte Umwelteinflüsse bei einer Person auswirken, kann davon beeinflusst werden, welche Erbanlagen diese Person hat.

Für die Diagnose ADHS müssen die Diagnosekriterien nach DSM 5 oder ICD-10 (das sind internationale Klassifikationssysteme für Krankheiten) erfüllt sein. Dazu muss unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt sein, nicht dem Alter und Entwicklungsstand entsprechen und zu mindestens mäßiger Beeinträchtigung in verschiedenen sozialen Bezugssystemen und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führen. Diese Auffälligkeiten müssen durchgehend länger als 6 Monate bestehen und bereits im Kindesalter vorhanden gewesen sein.
Die Symptome dürfen nicht besser durch andere körperliche oder psychische Störungen erklärt werden können.

Eine diagnostische Abklärung auf ADHS sollte veranlasst werden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die folgende Auffälligkeiten aufweisen: Entwicklungsstörungen oder Lern- / Leistungsprobleme oder Verhaltensprobleme oder andere in Frage kommende psychische Störungen (siehe unten) und bei denen diese Probleme mit Hinweisen auf Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit und Konzentration oder auf erhöhte Unruhe oder Impulsivität kombiniert sind.

Grundlage für die Diagnose ADHS sollen sein:
1. eine umfassende Befragung des Patienten und – v.a. bei Kindern und Jugendlichen – seiner Bezugspersonen (vor allem der Eltern, wenn möglich auch der Lehrer / Erzieher, einschließlich schriftlicher Berichte und Zeugnisse), die inhaltlich gegliedert folgende Themen umfassen soll:
a) Wie ist die aktuelle ADHS-Symptomatik: Welche Symptome liegen vor? Wie häufig und wie stark ausgeprägt sind sie in verschiedenen Lebensbereichen (Familie, Schule, Freizeitbereich)? Welche Unterschiede in der Ausprägung gibt es in diesen Lebensbereichen (z. B. bei Hausaufgaben, bei Familienaktivitäten)?
b) Wie schränken die ADHS-Symptome die Funktionsfähigkeit ein (z. B. in den Beziehungen, der Leistungsfähigkeit, der Teilhabe)?
c) Welche psychischen Symptome oder Störungen oder körperliche Erkrankungen bestehen außerdem noch?
d) Wie sind die aktuellen und wie waren die früheren Rahmenbedingungen?
Welche Möglichkeiten zur Unterstützung und welche Belastungen gibt es in der Familie und in Kindergarten / Schule oder am Arbeitsplatz?
Gibt es Probleme mit der psychischen und körperlichen Gesundheit der Bezugspersonen?
e) Wie und wann haben sich erste Symptome der ADHS gezeigt und wie hat sich die Symptomatik dann weiter entwickelt? Welche Vorbehandlungen gab es im Zusammenhang damit?
f) Welche Möglichkeiten zur Unterstützung, welche Wünsche und Bedürfnisse hat der Patient und seine Bezugspersonen?
g) Welche Krankheiten sind in der Familie bekannt? Gibt es insbesondere Anhaltspunkte dafür, ob bei engen Familienangehörigen Anzeichen für eine ADHS bestehen?
2. die Verhaltensbeobachtung des Patienten und – bei Kindern und Jugendlichen – wie Patient und Eltern in der Untersuchungssituation miteinander umgehen.
ADHS Symptome müssen dabei nicht notwendigerweise auftreten;
3. die körperliche Untersuchung und die Beurteilung des Entwicklungsstandes.

Eine routinemäßige Durchführung von Laboruntersuchungen oder apparativen medizinischen Untersuchungen ist im Rahmen der ADHS-Diagnostik nicht erforderlich. Sie sollen aber durchgeführt werden, wenn das für die Abklärung möglicher zugrundeliegender somatischer Erkrankungen oder für differenzialdiagnostische Abklärungen von Bedeutung ist.

Die Symptomatik der ADHS ist in unterschiedlichen Altersgruppen verschieden ausgeprägt. Folgende altersspezifische Besonderheiten sollten bei der Diagnostik berücksichtigt werden:
• Die Diagnose einer ADHS soll vor dem Alter von drei Jahren nicht gestellt werden. Bei Kindern im Alter von drei bis vier Jahren kann die Diagnose in der Regel nicht hinreichend sichergestellt werden.
• Bei Kindern im Vorschulalter soll die Diagnose in der Regel nur bei sehr starker Ausprägung der Symptomatik gestellt werden.
• Bei jüngeren Kindern können sehr stark ausgeprägte Unruhe, Impulsivität und Ablenkbarkeit sowie Störungen der Regulation Risikofaktoren für die Entwicklung einer ADHS sein.
• Je jünger die Kinder sind, umso schwieriger ist eine Abgrenzung zu Normvarianten.
• Im Jugend- und Erwachsenenalter muss die im Verlauf der Pubertät oft einsetzende Verminderung der Hyperaktivität berücksichtigt werden.

Nachdem die Diagnose gestellt ist, sollte bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS abgeklärt werden, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Diese sollten dem Patienten vorgestellt und erläutert werden, damit er sich mit diesem Wissen dafür oder dagegen entscheiden kann (informierte Entscheidung). Außerdem sollte vom Behandler erfragt werden, welche dieser Behandlungsmöglichkeiten vom Patienten und seinen Bezugspersonen gewünscht und mitgetragen werden (partizipative Entscheidungsfindung).
Bei der Auswahl der Therapie sollten persönliche Faktoren (z. B. Leidensdruck), Umgebungsfaktoren, der Schweregrad der Störung sowie zusätzlich vorhandener Störungen und die Teilhabe berücksichtigt werden.

Bei erfolgreicher medikamentöser oder nichtmedikamentöser Therapie der ADHS-Kernsymptomatik soll gemeinsam mit dem jeweiligen Patienten und seinen Bezugspersonen
überprüft werden, ob zusätzlich bestehende Störungen oder Probleme weiter bestehen (z. B. aggressives Verhalten, Ängste oder Lernschwierigkeiten). Für diese begleitenden Schwierigkeiten sollten jeweils ein individueller Behandlungsplan aufgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

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Tipps zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit ADHS

Was können Eltern selber tun? Können Eltern etwas tun, um die Verhaltensprobleme ihres Kindes zu bessern? Durch ihren erzieherischen Einfluss können Eltern die Auswirkungen von ADHS und das Verhalten der Kinder beeinflussen.

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Gemeinsam gut durch die Pandemie

Mit gemeinsamen Anstrengungen kommen wir besser durch diese besondere Zeit. Entscheidend ist, dass wir gesund bleiben und uns und andere so gut wie möglich vor der Corona-Infektion und deren Folgen schützen, besoders duch Impfungen.

Aktuelle Film und Radiobeiträge

Hier werden ausgewählte Sendungen zum Themenbereich ADHS verlinkt. Die AG übernimmt keine Verantwortung für die Inhalte. Sie liegt bei den Sendern.

ADHS bei Erwachsenen: Wege aus dem Chaos

WDR 5

Konzentrationsprobleme, Impulsivität und ein Versinken im gedanklichen und tatsächlichen Chaos: So beschreiben erwachsene Betroffene ihren Alltag mit ADHS, der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Wie und wo finden sie dauerhaft Hilfe?

ADHS bei Kindern und Jugendlichen

WDR 5

ADHS betrifft nicht nur die Kinder, sondern hat Auswirkungen auf das gesamte Umfeld. Warum es wichtig ist, die Störung zu verstehen, und welche Möglichkeiten der Hilfe es gibt, erklärt Prof. Dr. Michael Siniatchkin, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

ADHS - Warum viele auch als Erwachsene noch leiden

Bayern 2

Lange dachte man, nur Kinder würden an ADHS erkranken, an einer "Aufmerksamkeits-defizit-Hyperaktivitätsstörung". Im Erwachsenenalter würde sich das bei den meisten Menschen dann "auswachsen". Doch eine Studie aus den USA legt nahe: viele leiden auch als Erwachsene noch an der Krankheit.

Wirksamere Therapien bei ADHS

SWR2

Gut 30 Jahre ist ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung) als Krankheit klassifiziert, seither wird über die Therapie dieser Verhaltensauffälligkeit gestritten. Heute wird zur Behandlung von ADHS stärker auf Pillen gesetzt als früher. Kritiker warnen jedoch vor den Nebenwirkungen.

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ZDF

Luka - Meine Woche im ADHS-Camp

ZDFtivi - stark!

Der 11-jährige Luka aus Slowenien hat ADHS. In der Schule bereitet ihm das Probleme und er findet keine Freunde.

AD(H)S - das musst du wissen

funk

Von AD(H)S hat jede:r schon mal gehört, aber was genau heißt das eigentlich, AD(H)S zu haben? Wie äußert sich das? Und was ist dran an bekannten Mythen wie “nur Kinder können AD(H)S haben” und “AD(H)S kommt durch schlechte Erziehung”?

Weitere Informationen

Die nachfolgenden Links sind subjektiv ausgewählt und wir freuen uns über Ergänzungen! Wir möchten aktuell bleiben und bitten darum, uns auf unpassende und "tote" Seiten hinzuweisen. Besten Dank!

ADHS Info-Portal

vielfältig und aktuell, angegliedert an die Uni Köln

zentrales adhs-netz

bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS, moderiert mit der Uni Köln

ADHS-Deutschland

Selbsthilfe für Menschen mit ADHS | Vielfältige, gut fundierte und praktische Informationen

JUVEMUS

informiert über AD(H)S sowie über Teilleistungsschwächen und Verarbeitungsstörungen

ADHS-Elterntraining

für schwierige Erziehungssituationen mit Ihrem Kind